Fahrradbox – mehr als nur zur Aufbewahrung von Zeugs

Vor einiger Zeit berichteten wir ja bereits von einem unserer Radurlaube. Damit diese so komfortabel ablaufen können, brauchen wir jedoch eine Menge Zeug. Und das will transportiert werden. – Am besten mit System. Aber wie bekommt man das hin?

Für uns hat sich gezeigt, dass es am besten klappt, wenn wir thematisch sortierte Einheiten packen. D.h. das Reparaturzeug hier, das Kochzeug da, Klamotten in diesen Taschen, Elektrozeug in denen, Schlafgedöns da, usw.

Manche Aufbewahrungsorte ergeben sich ganz von selbst, allein durch die Größe und Form. Beispielsweise haben das Zelt und die Isomatten große Packmaße. Es sind aber wenige Einzelteile. Ein Einpacken in die Fahrradtaschen wäre schwachsinnig, da dieser Platz weniger kompakten Dingen zugute kommen soll und diese somit als Einheit gepackt werden können. So haben wir eine Kühltasche für verderbliche Lebensmittel wie Käse oder ähnliches und eine Packtasche für Kochutensilien, Geschirr, Besteck u.ä.. Diese beiden Taschen passen zusammen perfekt in einen Fahrradkorb. Es wäre also toll den Fahrradkorb nutzen zu können. Das steht aber im Konflikt mit der Nutzung der Fahrradtaschen.

Transport der Kühl- und der Kochutensilientasche (Die aufgedruckte Biermarke hat nichts mit unseren geschmacklichen Präferenzen zu tun. 😉 Die Tasche ist aber ein echt nützliches Werbegeschenk)

Es zeigte sich nicht nur bei den Radtouren, dass es praktisch wäre, den Fahrradkorb und die Fahrradtaschen gleichzeitig nutzen zu können. Auch im alltäglichen Fahrradgebrauch, z.B. beim Einkaufen wünschte ich mir häufig, dass beide Transportsysteme gleichzeitig nutzbar wären. Ohne Weiteres ist dies aber leider nicht möglich.
Man kann zwar die Fahrradtaschen an den Gepäckträger anhängen und den Korb danach aufsetzen, nur bekommt man die Fahrradtaschen zum einen dann nicht so voll und zum zweiten kann man das alles dann auch nur in genau der umgekehrten Reihenfolge wieder abnehmen. – D.h. erst den Korb runter und dann die Taschen. Das ist aber oft nervig, da ich den Korb meist gar nicht abnehmen möchte.
Am liebsten will ich den Korb sogar am Fahrrad befestigen, um es Gelegenheitslangfingern etwas schwerer zu machen. – Getreu nach dem Motto: Wenn mein Korb schwerer mitzunehmen ist als andere, wird sich ein Gelegenheitsdieb wohl für einen anderen entscheiden.
Montiere ich aber den Korb fest am Rad, dann lassen sich die Taschen nicht an- bzw. abmontieren. – Eine verzwickte Situation also.

Man kann eben nicht alles haben? – Da bin ich anderer Meinung!

Analyse der Situation

Um das Problem zu analysieren habe ich mir angesehen, wie die Taschen funktionieren: Meine Fahrradtaschen haben ein Einhängesystem, das sehr praktisch ist. Mit diesem lassen sich die Taschen schnell an- und abhängen und es hält sie sicher und funktioniert seit Jahren einwandfrei. Eingehängt werden die Taschen mit zwei Haken am Gepäckträger. Sie werden also von oben kommend, parallel zum Rad geführt, bis sie einrasten.
Die Haken schließen rund um das Gestänge herum, damit die Taschen nicht bei Bodenunebenheiten aus der Halterung hüpfen können. Die Haken öffnen, sobald Zug am Haltegriff ausgeübt wird.

Die Haken schließen automatisch, sobald das Gewicht der Tasche vom Haltegriff auf die Haken übergeht. –> D.h. über jeder Tasche muss etwas Platz sein, um sie ein- und auszuhängen. Ein direkt auf dem Gepäckträger sitzender Korb verhindert dies.

Was bedeutet diese Art der Taschenbefestigung nun für mich?

Um genug Spielraum für die Einhängung der Taschen zu haben und den Korb dabei installiert zu lassen, müsste der Korb etwas höher sitzen – also mit Abstand zum Gepäckträger. Ein Abstandhalter wäre eine Lösungsidee. Dadurch sitzt der Korb weit genug über dem Gepäckträger, sodass die Haken der Taschen nach oben hin aus- und eingehängt werden können.
Ich überlegte mir, dass ich etwa 7 -10 cm bräuchte, um die Fahrradtaschen komfortabel an- und abhängen zu können, ohne den Korb bewegen zu müssen.
Zuerst wollte ich einfach einen Balken aufsetzen. Ein Balken aus Holz hat aber schon auch Gewicht und außer Abstand halten kann er auch nichts. Um nicht unnötig viel Gewicht aufzuladen, wäre es doch gut, wenn dieser nicht massiv wäre. Dadurch kam ich auf folgende Idee:

Warum nicht statt eines Balkens eine kleine Box aufsetzen? Diese lässt sich dann sogar noch mit Dingen befüllen, wie etwa Flickzeug, einer Pumpe oder einem Fahrradschloss.

Die Idee fand ich gut – Ein neues Bastelprojekt war geboren.

Der Bau der Box – Upboxing 😉

Zunächst überlegte ich mir, ob sich nicht vielleicht etwas finden lässt aus dem ich das bauen kann? Denn wenn das so wäre müsste ich die Box nicht von Grund auf selbst bauen.

Nach etwas überlegen kam ich auf die Idee, dass eine Weinflaschenbox doch genau die Maße haben könnte, die ich brauche. Wenn ich eine solche nehme und etwas verstärke sollte das doch kein großer Aufwand sein. Also auf in die Stadt.
Nach dem Besuch eines Weinladens hatte ich die perfekte Box und ließ mir im Baumarkt noch zwei Holzplatten zurecht schneiden. Mit diesen stabilisierte ich die Unter- sowie die Oberseite der Box. Damit die Box etwas interessanter aussieht, beschloss ich das Brett auf der Oberseite etwas interessanter zu gestalten. Eine Stichsäge half mir das dann umzusetzen.

Die Fahrradbox im Rohbau (Anfangsstadium)

Den Korb schraubte ich an zwei Holzleisten und diese wiederum auf die Box. Um das Holz vor Wettereinflüssen zu schützen strich ich das Holz und lackierte es anschließend noch mit Klarlack.
Mit vier kleinen Schellen (ebenfalls aus dem Baumarkt) konnte ich die Box nun auf dem Gepäckträger installieren.

angebrachte Box (von außen bereits fertig) – Die Stange zum Einhängen der Fahrradtaschen bleiben frei
Befestigung der Box am Gepäckträger

Das wäre es dann im Endeffekt gewesen, denn die ursprünglich gewünschte Funktion erfüllte die Box nun schon. Nur gab ich mich damit noch nicht zufrieden. 😉

Ich überlegte, ein schweres Fahrrad-Kettenschloss in der Kiste zu transportieren. Aber dieses rutschte und hüpfte in der Kiste und machte Lärm, der mich bereits während der Probefahrt nervte. Die Lösungsidee: Ich polstere die Kiste aus. Etwas dicken Filzstoff aus dem Bastelladen zurechtschneiden, einkleben, fertig. Was für eine Wohltat, nichts klimpert und klappert mehr und die Box sieht beim Öffnen richtig edel aus.

ausgepolsterte Box

Hm, aber wenn die Kiste nur ein Fach hat, fliegt darin ja alles durcheinander. Die Lösung: Ich trenne einen Teil der Kiste einfach ab, sodass zwei Fächer entstehen. Nun hätte ich einfach eine Trennwand einziehen können. Ich entschied mich aber zudem ein kleines Türchen anzubringen, dass über einen Zugmechanismus und einen kleinen schwenkbaren Hebel aufgeschoben wird. 😉

„Geheimfach“

Hier findet sich bei Touren Werkzeug, während im vorderen Fach Ersatzschläuche und Bastelutensilien zum improvisieren aufbewahrt werden. Und der derzeitigen Situation geschuldet eine Ersatz-Nasen-Mundbedeckung.

Oft werde ich gefragt, ob das nicht schwer ist und sich aufs Fahrverhalten auswirkt. Sicher hat das Rad nun hinten etwas mehr Gewicht, aber so eine Weinkiste und die beiden zusätzlichen Holzbrettchen wiegen nun auch nicht die Welt und der leicht erhöhte Schwerpunkt macht sich beim Fahren nicht bemerkbar. Nur beim Rangieren zu Fuß merkt man, dass das Hinterrad schwerer ist. Aber für den Vorteil, den mir die Konstruktion bietet, nehme ich das sehr gerne in Kauf.

Ich hoffe, ich konnte euch zeigen, wie wertvoll es ist, ein Problem bzw. eine zu verbessernde Situation zu analysieren…

Mit ein wenig Bastelarbeit kann man so eine deutliche Verbesserung des Status Quo errreichen und ist danach nicht nur glücklicher sondern auch stolz auf sein Werk.

Die Kiste fahre ich nun übrigens seit 3-1/2 Jahren unterbrechungsfrei mit mir herum und erfreue mich noch immer daran. Probleme gab es bis zum letzten Radurlaub (Juni 2020) keine. Erst da nahm sie durch einen Unfall Schaden und musste geflickt werden. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal.

Auf bald.

Euer Finanzierpaar-Andi


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