Der heilige Gral – Die frugale Lifestyle-Inflation

Es ist wie so häufig – Wer bereit ist etwas zu investieren, profitiert am Ende meist finanziell. Klar, dass wir als InvestierPaar das auch bei unserem Umzug mal wieder ordentlich ausgereizt haben.

Heiliger Gral mit Sparschwein

Unsere alte Wohnung war eine 2-Zimmer-Wohnung, in der wir jeweils ein Zimmer hatten (15 und 28m²) – unsere Studentenbutze eben. Die Zimmer waren grundmöbliert – Soll heißen, dass wir jeweils ein Bett einen Schreibtisch und einen Kleiderschrank vom Vermieter gestellt bekommen hatten. Auch ein altes Sofa war schon da. Diese Möbel waren nur geliehen und wir konnten sie daher auch nicht mitnehmen.

Kurz gesagt, wir mussten uns den Großteil unserer Einrichtung neu anschaffen – also, für uns neu. 😉

Ein paar Dinge haben wir aber schon auch mitgenommen. Zum Beispiel Kurt – unseren Kühlschrank, oder auch unser Bett.

Da uns ein 90cm-Bett dann zu zweit doch ein bisschen zuu kuschelig ist, habe ich schon vor Jahren ein größeres Bett selbst gebaut. Warum selbst gebaut? Sicher nicht, weil man Geld dadurch spart. – Im Gegenteil. Allein das Material ließ so manch ein fertiges Bett dagegen billig aussehen. Aber wir wollten etwas Spezielles. Mit einer Höhe von knapp 90cm ist es deutlich höher als alle, die wir zu kaufen fanden. Und so bietet es jede Menge Stauraum darunter. Das Bett haben wir also natürlich mitgenommen und vor wenigen Wochen sogar verbreitert – von 140 auf 160 cm. Zudem wurde es jetzt noch mit einem selbst gezimmerten Bettkasten aufgepimpt.

Kleiner Einblick in das Bastelprojekt – Bett

Aber zurück zum Umzug…

Ansonsten hatten wir nicht sehr viele eigene Möbel. Aber von denen die uns gehörten, haben uns auch einige begleitet. Unser weißes Kallax-Regal ((2×4) Bildmitte-links) und zwei der Billy-Bücherregale (hinten) zum Beispiel.

Anjas altes Zimmer

Diese Möbelstücke kaufte Anja noch ganz normal im Einzelhandel, denn es war zu einer Zeit, als wir das Thema Ressourcen sparen und frugales Leben noch nicht auf dem Schirm hatten.

Doch vor einigen Jahren merkten wir dann, wie viele Möbelstücke auf dem Gebrauchtmarkt landen und wie häufig diese in super Zustand sind. Es war wie eine Erleuchtung für uns. Und schon bald lernten wir die Jagd nach gebrauchten Möbeln zu lieben.

InvestierPaar

Nicht nur, dass es Sachen gab, die es nicht in jedem schwedischen Möbelhaus gibt, sondern speziellere Dinge, die nicht jeder hat und mit denen wir unsere Wohnung ganz einzigartig gestalten können. Viele der Möbel werden zudem auch noch zum Spotpreis angeboten – ja, oft sogar „for free“. Wie gut ist das denn?

Der heilige Gral – Die frugale Lifestyle-Inflation

Wir fragten uns lange, warum so viele Leute so tolle Möbel verschenken?
Anfangs konnten wir uns keinen Reim darauf machen. Aber mittlerweile, nach vielen, vielen Abholungen, die wir seither machten, glauben wir die Hauptgründe verstanden zu haben. Selbstverständlich sprechen wir bei den Abholungen mit den Exbesitzern und viele erzählen gern und ausgiebig über das Warum:

Die meisten Leute wollen die Möbel einfach unkompliziert weg haben, da sie neue shoppen wollen, oder umziehen und die Möbel nicht mitnehmen wollen/können. Es ist oft einfach der bequemste Weg die Möbel online zu stellen. Auch wenn man wenig oder nichts dafür bekommt, so kann man doch recht sicher sein, dass sich bald jemand meldet und die Sachen abbaut und runter trägt. Häufig haben die bisherigen Besitzer auch eine Bindung zu den Möbeln und bringen es nicht übers Herz sie auf den Müll zu werfen (zum Glück). Sie freuen sich dann oft richtig, wenn jemand das gute Stück holt, der es lieb gewinnt.

„Das gute Stück bekommt ein neues Zuhause, ich habe wieder etwas Platz und ihr seid glücklich, so günstig an einen neuen Schreibtisch gekommen zu sein.“

So oder so ähnlich klingt es häufig von den Exbesitzern der Möbel

Also – WinWin! Ist doch super! Oft bringen wir den Schenkern, als kleines Dankeschön, eine „Gute Schokolade“ mit und erklären ihnen, dass es eine Non-Profit-Schoki ist, die nicht nur richtig gut schmeckt, sondern mit der man auch gute und wichtige Projekte unterstützt. So machen wir mit unserem Dankeschön gleich noch auf solch tolle Projekte aufmerksam.  🙂

Die gute Schokolade – Wir haben keinerlei Beziehung zu der Organisation und erhalten nichts für diese kostenlose Werbung. Wir finden das Projekt einfach nur gut und möchten auch Andere zum nachhaltigen Nachdenken und Handeln bewegen.

Upgraden der Wohnung – Unsere Lifestyle-Inflation

Wie gesagt, fingen wir in den letzten Jahren an Möbel durch gebrauchte, aber bessere zu ersetzen. Manche Möbel beschaffen wir auch mit dem schon vorher erklärten Ziel diese zu überarbeiten und nach unserem Geschmack und Belieben upzugraden. Das ist seither unsere Art der Lifestyle-Inflation. Nur, dass sie kaum Kosten verursacht und deutlich nachhaltiger ist, als unser Einkaufsverhalten davor.

Noch in der alten Wohnung holten wir Anja auf diesem Weg einen schickeren Schreibtisch, den jemand ein paar Straßen weiter verschenkte. Der alte Tisch unseres Vermieters wanderte daher in den Keller. Auch ein kostenloses Sideboard für mein Zimmer ersetzt seit letztem Jahr meinen alten TV-Tisch. Der, den ich bis dahin hatte, ist nun bei einer neu eingezogenen Mitbewohnerin in Gebrauch. Ebenfalls gingen schon in unserer alten Wohnung zwei Truhen und Regale kostenfrei in unseren Besitz über.

Diese Dinge gefallen uns immer noch gut und durften daher mit uns umziehen. Nun ist unsere neue  Wohnung aber größer und wir hatten nicht einmal ein Sofa oder einen Esstisch. Auch Schränke, Kommoden und Ähnliches mussten her – für Kleider, Ordner, Werkzeug und jeglichen sonstigen Kram, der sich mittlerweile angehäuft hat. Also mussten wir „neue“ Möbel anschaffen.

Für uns stellet sich also die Frage: Wie und wo können wir die Einrichtung denn nachhaltig bekommen? Unsere Überlegungen dazu wollen wir im folgenden mit euch teilen.

Nachhaltig und frugal Shoppen – leicht gemacht

Für uns Frugalisten ist es toll, wenn wir eine wertige Wohnungseinrichtung günstig bekommen können. Sie sollen uns Freude bereiten und dafür sorgen, dass es uns an Nichts fehlt. Frugal zu leben heißt für uns, dass man sparsam mit den Ressourcen und seinen Ausgaben umgeht, OHNE sich dabei eingeschränkt zu fühlen. Es geht darum ein glückliches Leben zu führen.
Das günstige Leben bewirkt einerseits, dass finanzielle Probleme gar nicht erst auftreten. Im Gegenteil, die finanziellen Möglichkeiten wachsen durch die Investition des ersparten Geldes stetig. Aber zum glücklichen Sein gehört mehr als nur ein gefülltes Sackerl. Wie ihr wisst, spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle in unserem Alltag. Daher ist es uns auch wichtig, dass die Produkte nachhaltig gekauft werden! Es gibt in Bezug auf die Nachhaltigkeit aus unser Sicht verschiedene Aspekte.

Nachhaltiges Einkaufen

– Da denkt man gleich an Ökoprodukte, doch inwiefern spielt das Produkt eine Rolle?

Weg 1

Da sind zum einen die Produkte selbst. Es geht hierbei um die Rohstoffe aus denen sie bestehen, die Produktionsbedingungen und den Transport. Beim Neukauf achten wir darauf, dass die Wertschöpfungskette möglichst nachhaltig ist. Wie nachhaltig ein Produkte letztlich ist, ist leider oft schwer zu erkennen, da die wenigsten Hersteller ausführlich über ihre Produkte und deren Wertschöpfungskette informieren.

Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass ein Produzent, der Wert auf Nachhaltigkeit legt, seine Anstrengungen auch bewirbt.

Denn das Thema spielt zum Glück eine immer größere Rolle. Und Nachhaltigkeit ist durchweg positiv konnotiert. Wenn positive Aspekte der Herstellung auf dem Etikett Anklang finden, heißt das natürlich  nicht zwangsläufig, dass das alles auch stimmt. Gerne werden selbstverständliche Aspekte positiv erwähnt oder Themen so schwammig angesprochen, dass sie sehr großen Interpretationsspielraum bieten. Es lohnt hier sicher ein zweiter kritischer Blick.
Wenn aber nichts in Richtung Nachhaltigkeit, Tierwohl, Ressourcenverbrauch etc. erwähnt wird, ist unserer Meinung nach auch die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass etwas getan wird. Denn für die Produzenten ist der Weg der Nachhaltigkeit in der Regel mit höheren Kosten verbunden und da das Thema eine stetig wachsende Aufmerksamkeit erfährt und jeder es gut findet, wenn Gutes getan wird, wären die Hersteller ja dumm es nicht auf der Verpackung anzupreisen.
Also gilt für uns: Es sollte was zum Thema Nachhaltigkeit erkennbar sein und das so detailliert und präzise wie möglich. Wenn es nicht stimmt, wird es hoffentlich auch aufgedeckt werden und wir als interessierte und aufmerksame Menschen bekommen es dann auch irgendwann mit.

Es gibt aber einzelne Händler – sowohl online als auch offline – die darauf achten möglichst nachhaltige Produkte anzubieten. So gibt es in Heidelberg etwa das GoodsHouse (wir bekommen übrigens nichts für diese Werbung und stehen in keiner geschäftlichen Beziehung zu dem Laden), in dem darauf geachtet wird, dass z.B. die Materialien aus recycelten Produkten bzw. Materialien hergestellt worden sind oder sie aus Naturprodukten wie Kork etc. bestehen. Auf vielen dort zu erwerbenden Produkten wird auch über die Herstellungsbedingungen informiert. Etwa über faire Bezahlung der Produzenten, Sicherstellung des Arbeitsschutzes (Pestizideinsatz, Kinderarbeit, etc.). Bei solchen Händlern lässt sich vergleichsweise einfach nachhaltig und mit gutem Gewissen einkaufen. Das hat natürlich auch seinen Preis. Kleiner Spoiler vorweg: Der teuerste Einrichtungsgegenstand unseres Umzugs ist aus diesem Laden. Festhalten! Es ist ein recht einfacher Bettvorleger aus recycelten PET-Flaschen für ziemlich genau 100€.

Ein optisch vergleichbares Stück würde uns beim schwedischen Möbelhaus vermutlich nur einen niedrigen zweistelligen Betrag abverlangen.
Aber das ist es uns Wert und das Gute ist, wir können uns das auch locker leisten und der Umzug bleibt dennoch im dreistelligen Bereich. – Weil wir eben an anderen Stellen auch ordentlich Kosten sparen.

Weg 2

Einen anderer Weg der Nachhaltigkeit ist für uns nämlich der Folgende: Auch wenn Produkten nicht nachhaltig hergestellt wurden, halten wir es durchaus vertretbar sie zu kaufen, sofern das aus zweiter oder dritter Hand geschieht. Es handelt sich ja dann um Produkte, die bereits produziert und verkauft sind. Der Produzent bzw. der Einzelhandel erfährt hier in der Regel keine Kaufimpulse und damit erhöht sich auch nicht die Nachfrage nach diesem wenig-nachhaltigen Produkt. Toll also, wenn die Möbeln nicht einfach auf dem Müll landen. Wir haben daher kein schlechtes Gewissen, wenn wir gebraucht kaufen und damit sogar Geld sparen, während wir unsere Wohnung pimpen. Durch diese finanziellen Einsparungen beim Gebrauchtkauf ist es uns möglich uns andere nachhaltige Produkte, wie den recycelten Bettvorleger, zu leisten, ohne unsere Lebenshaltungskosten massiv ansteigen zu lassen. 

Für uns sind beide Beschaffungswege valide und daher wandeln wir auf beiden Pfaden. Wir sind glücklich und zufrieden, solange es uns gelingt, diese Pfade möglichst selten zu verlassen und eben nicht einfach das günstigste Produkt zu bestellen.

Wo du deine Wohnungseinrichtung günstig und zudem nachhaltig bekommst

Wenn du nicht immer die technisch ausgefeiltesten Einrichtungsgegenstände brauchst und du nicht auf der Suche nach den aktuellsten Möbel-Modetrends bist, sondern einfach schöne Dinge suchst, gibt es ein paar Einkaufsquellen, die wir dir gerne nennen wollen.

Die Suche von zu Hause aus

Welche Quellen lohnt es sich anzuzapfen, um an tolle Einrichtungsgegenstände zu kommen?

Zum einen gibt es natürlich Online-Plattformen, wie eben Ebay, Ebay-Kleinanzeigen, Quoka, Rebuy oder Gebraucht-kaufen.de (Liste einiger Online-Plattformen für Gebrauchtwaren). In einigen Städten und Regionen gibt es mittlerweile auch regionale Tausch- und Verschenkmärkte – ebenfalls als Online-Plattformen. Auch hier sollte man unbedingt nach tollen Möbeln Ausschau halten. Es gibt noch weitere Plattformen für gebrauchte Dinge, wie etwa Free Your Stuff oder ähnliche. Da wir aber nicht bei Facebook sind, kam die Plattform für uns nicht in Frage.

Ins Fühlen kommen

Wenn du auch das haptische Erlebnis nicht missen möchtest, kannst du die genannten Möglichkeiten mit der Offlinewelt erweitern. Auf Flohmärkten, in 2ndHand- oder Recyclingkaufhäusern kannst du die Dinge aus nächster Nähe betrachten und erfährst dabei definitiv mehr Schatzgräberstimmung.
Auch hier lassen sich immer wieder tolle Sachen finden. Bei uns gibt in der Stadt mehrere Gebrauchtwaren-Kaufhäuser. Zum Teil werden sie von der Stadt selbst betrieben – wie etwa die „Möbelhalle“ – Einer Halle auf unserem Recyclinghof, in der die Dinge landen, die für den Sperrmüll zu schade sind. Ein anderes Gebrauchtwaren-Kaufhaus wird von psychisch und körperlich beeinträchtigten Menschen betrieben. Diese richten die Stücke her und stellen sie dort aus. Die Einnahmen kommen der Organisation zu Gute, die diesen Menschen eine Arbeit und damit Halt und Stabilität geben kann.

Fazit

Eines haben aber alle diese Quellen gemein – Überall lassen sich schöne, spezielle und günstige Dinge finden, mit denen du deine Wohnung und damit dich und dein Leben bereichern kannst.

Investierst du also ein bisschen Zeit und Mühe für die Suche und Beschaffung deiner Möbel, kannst du nachhaltig einkaufen und zudem jede Menge Geld sparen. Damit tust du sowohl der Umwelt was Gutes, als auch dir. Denn du kannst das gesparte Geld in wertsteigernde Geldanlagen investieren und so deinen zukünftigen Wohlstand und deine Möglichkeiten heben. Eine wirklich nachhaltige Investition von Zeit also.


In den nächsten Artikeln werden wir dir zeigen, wie wir unseren Umzug dann tatsächlich handhabten, was wir an Möbeln beschafften und was wir dafür bezahlten.

Und zudem habe ich mir die Mühe gemacht, diese Käufe mit möglichst vergleichbaren Stücken aus dem wohl bekanntesten schwedischen Möbelkaufhaus – hinsichtlich ihres Preises zu vergleichen. Das wird eine spannende Challenge. Was hätte der Einkauf unserer Einrichtung im Kauf dort gekostet?
Du darfst gespannt sein 🙂 ….


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