Der finanzielle (Master)plan: Teil 2 – der Einblick

So, und weiter geht’s! Den eigentlich geplanten „kurzen“ Einführungsartikel mussten wir ja leider unterbrechen, damit ihr Zeit hattet, euch mit den vorgestellten Konzepten zu beschäftigen. Wir hoffen, ihr habt euch das Thema Zeit in Kombination mit dem Zinseszins mal angeschaut? Und zum Beispiel auch den vorgestellten Zinseszinsrechner ausprobiert?

Um eure Erinnerung wieder wachzuküssen, hier nochmal die 4 Punkte, denen wir uns als Einführung widmen wollen:

  1. Ausblick: Warum solltest du überhaupt Vermögensaufbau betreiben?
  2. Einblick: finanzielle Bestandsaufnahme – Wo stehst du aktuell?
  3. Weitblick: Wie ist deine Lebensplanung?
  4. Detailblick: Wie ist dein jetziger Stand und wie kommst von dort dahin, wo du hin möchtest? Was für Investitionsformen ergeben denn Sinn?

Punkt 1: „Warum??“ (und warum JETZT und nicht erst in 10 Jahren?) haben wir Teil 1 besprochen. Jetzt ist also Teil 2 dran: Deine finanzielle Bestandsaufnahme.

2. Einblick

Hierbei sollst du dir zunächst über deinen finanziellen Zustand Gedanken machen und dir klar werden, wo du genau stehst. Das kann je nachdem, in welcher Situation du dich befindest, angenehmer sein oder weniger angenehm. Aber es bringt gar nichts, Pläne zu machen oder Maßnahmen zu ergreifen, wenn der Ausgangspunkt nicht klar ist. Natürlich müssen wir auch noch das Ziel bestimmen – aber das kommt erst in Punkt 3.

Also fangen wir am Anfang an. Hier gibt es zwei wichtige Aspekte:

  1. Vermögen: Vermögenswerte vs Schulden
  2. Cashflow: Einnahmen vs Ausgaben

Weißt du, wieviel Vermögen du besitzt? Und wieviel du an Schulden hast? Weißt du, wieviel Geld du jeden Monat einnimmst? Und wieviel du ausgibst? Wieviel davon ist variabel (z.B. Kino, Restaurants und Disco) und wieviel davon musst du auf jeden Fall bezahlen (z.B. Miete und Handyvertrag)? Musst du Raten für Schulden abbezahlen? Wieviel ist das und wie lange noch? Wenn du von jetzt auf gleich kein Geld mehr bekommen würdest (zum Beispiel weil dein Arbeitgeber pleite gegangen ist oder weil du fristlos gekündigt hast): Wieviele Monate könntest du auskommen, wenn du genauso lebst wie bisher? Wieviele Monate lang würde dein Geld reichen, wenn du nur noch das Nötigste ausgeben würdest?

Wenn du all diese Fragen auf Anhieb beantworten kannst, dann hast du offensichtlich deine Hausaufgaben bereits erledigt. Glückwunsch!

Wenn nicht, wird es jetzt auf jeden Fall Zeit, dass du damit anfängst.

Wie du das angehen kannst, werden wir dir in den folgenden Artikeln zeigen. Hier wollen wir dir zunächst mal vor Augen führen, warum das wichtig ist…

Wo stehst du finanziell jetzt gerade?

Du brauchst einen Startpunkt, um deine zukünftigen Erfolge überhaupt feststellen zu können. Denn wenn du in ein paar Jahren dein Vermögen betrachtest, solltest du erkennen können, ob du Gewinne erzielt hast. Denn andernfalls wird dich das in deinem Tun nicht bestärken und dich wenig motivieren den Motor am laufen zu halten. Wenn die Zahlen aber rot sind und nicht gerade eine Krise oder marktverändernde Änderung der Ist-Situation eingetreten ist – wie die aktuelle Zinswende – solltest du ggf.  über deine Investitionsstrategie nachdenken.

Du brauchst den genauen Stand deines Vermögens aber auch, um deine wichtigsten nächsten Schritte zu identifizieren. Denn du brauchst eine gewisse Sicherheit, bevor du dein Geld langfristig anlegen kannst. Wir nennen diese Sicherheit den Notgroschen.

Der Notgroschen (aka. Dr. Notgroschen)

Du wirst vermutlich nicht gut schlafen, wenn dein gesamtes Vermögen, beispielsweise in Aktien, investiert ist und es plötzlich beginnt mit den Kursen Achterbahn zu fahren. Selbst wenn du von der Art deiner Geldanlage völlig überzeugt bist, droht immer das sagenumwobene Damoklesschwert auf dich herabzustürzen. Denn dieses Schwert hängt nur an einem Faden aus unvorhersehbaren Ereignissen und du willst dich ja nicht verletzen.

Eine x-beliebige Situation kann dazu führen, dass du Gefahr läufst plötzlich weniger zu verdienen. Sei es weil dein Unternehmen in Schieflage kommt oder dein Arbeitgeber über Verringerungen im Personalbestand nachdenkt. Sei es, weil du selbst den dringenden Wunsch verspürst zu kündigen, aus welchen Gründen auch immer. Oder weil du schlichtweg plötzlich krank wirst. Vielleicht auch jemand aus deiner Familie. Wenn in solch einer belastenden Ausnahmesituation auch noch Geldprobleme hinzukommen, kann dich das ganz schön heftig und lange aus der Bahn werfen.

Eine plötzliche Reduktion deines Einkommens kann dich hart treffen, besonders, da sie dann meist durch eine Situation kommt, die ansich schon viel Kraft kostet. Welch ein Segen, wenn du deine verbleibende Restenergie dann konzentrieren kannst und dir zumindest um den finanziellen Aspekt keine Sorgen machen musst.

Du siehst, es gibt gute Gründe, weshalb du etwas Geld liquide, also schnell verfügbar, haben solltest.

Das Wichtigste, was man in so einer belastenden Phase braucht, ist Zeit. Für Organisation, um Hilfe zu suchen, um sich selbst wieder aufzurichten oder für andere da zu sein. Und ja, wenn du in Deutschland lebst, hast du vielleicht dann auch Anspruch auf Geld aus einer Sozialversicherung (Kranken-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung). Aber das kann dauern. Und muss beantragt werden. Und die Beträge sind immer niedriger als dein bisheriges Einkommen. Wenn der Notgroschen es dir ermöglicht, dass du dich nicht zwischen Kreditrate für’s Haus und Kinderbetreuung entscheiden musst, hast du auch schon viel gewonnen.

Das sind jetzt nur ein paar Beispiel, was alles im Leben passieren kann. Wir denken alle nicht gerne über sowas nach, aber es wird dir ein gutes und sicheres Gefühl geben, wenn du dich ein Stück weit abgesichert hast.

Wir nennen ihn auch „Dr. NOTGROSCHEN“ – denn er flickt dich wieder zusammen, wenn dich etwas am Boden zerstört hat.

Investierpaar

Eigentlich war es nicht der Plan dem Notgroschen in diesem Artikel viel Beachtung zu schenken. Er ist in unseren Augen aber so wichtig, dass wir ihn hier doch schon sehr umfassend behandeln wollen. Es ist nämlich sehr zu empfehlen, dass du diesen gleich zu Anfang aufbaust, wenn du vor hast dein Geld in mittel- und langfristige Geldanlagen zu stecken. Und da das in der Regel die Geldanlagen sind, die auch die Rendite einfahren, gießt du dir am besten erstmal dieses Fundament.

Wie groß soll Dr. Notgroschen sein

Dr. Notgroschen sollte so groß sein, dass er dir ermöglicht ein paar Monate zu überbrücken, in denen du ohne oder mit weniger Einkommen auskommen musst. Und zwar ohne dass du deinen Lebensstandard stark zurückschrauben musst.

WICHTIG: Dr. Notgroschen ist heilig. Er wird nicht angefasst. Ausnahmslos! Und schon gar nicht investiert. Er ist das kleine Münzhäufchen, das auf dem Girokonto liegen darf. Bei uns wohnt er sogar auf einem eigenen Konto – Aber das erklären wir im Artikel über unser Kontenmodell.

Wie hoch der Notgroschen sein sollte, hängt von deinen monatlichen Kosten sowie deinem Wohlbefinden ab. Bist du im Angestelltenverhältnis, sollten durch ihn aber mindestens 3 bis 4 Monate deines normalen Lebens abgedeckt sein, da du im Falle eines Falles erst dann durch das Arbeitslosengeld unterstützt wirst.

3 oder 4 Monate klingt nicht nach viel, aber diese Zeit ermöglicht es dir, einmal durchzuatmen und das eigentliche Problem zu klären. In 3-4 Monaten kannst du

  • eine Pflegestelle für einen geliebten Menschen organisieren
  • deinen Partner bei einer Krebstherapie begleiten
  • eine Kur oder einen Klinikaufenthalt wahrnehmen
  • eine Auszeit nehmen und danach deine Probleme mit genug Abstand wieder anpacken
  • dir einen neuen (passenden!) Job suchen und dich darauf bewerben. Oder zumindest einen Übergangsjob organisieren und entsprechende Hilfen beantragen.
Dr Notgroschen hilft in der Notsituation

Du solltest aber gut schlafen können und daher kann der Notgroschen auch deutlich höher ausfallen. Bei uns deckt er beispielsweise ein halbes Jahr unserer Lebenskosten ab. Bist du allerdings selbstständig, solltest du den Notgroschen deutlich größer dimensionieren.
Um den Notgroschen zu berechnen musst du also deine monatlichen Kosten ermitteln – sowohl die Fixkosten als auch die laufenden sonstigen Kosten.

Wie du das am besten machst? Wir werden versuchen dir dabei mit Tipps und Tricks beiseite zu stehen – Und zwar schon ganz bald.

Investiere nur, was du nicht brauchst

Deine monatlichen Ausgaben benötigst du aber nicht nur um den Notgroschen zu berechnen. Ich vermute mal, dass du möglichst viel investieren möchtest, damit sich auch möglichst viel Geld vermehren kann?!

Und du möchtest dich vermutlich nicht fortwährend mit dem Vermögensaufbau beschäftigen, sondern vor allen Dingen dein Leben leben. D.h. der Vermögensaufbau darf dabei gerne auf Autopilot laufen, richtig? Dann sind automatisierte Wertpapier-Sparpläne genau das richtige für dich.

Sparpläne funktionieren für dich ähnlich wie ein Dauerauftrag bei Überweisungen und sind auch ebenso einfach anzulegen. In regelmäßigen Abständen (monatlich oder alle zwei, sechs oder zwölf Monate) wird ein Betrag von deinem Konto abgebucht und von diesem Geld werden automatisch die von dir bestimmten Wertpapiere auf deinem Depot (also einem Konto für Wertpapiere) eingebucht.

Aber warum erzähle ich das hier schon? Das greift ja schon voraus und in diesem Artikel soll es doch um die Notwendigkeit der finanziellen Bestandsaufnahme gehen.
– Ja, richtig. Ich will damit ausdrücken, dass du wissen musst, wie viel dir monatlich auch tatsächlich übrig bleibt. Denn wenn das Geld am Monatsanfang abgebucht und eben durch einen solchen Sparplan investiert wird, musst du mit dem Rest ja noch gut über den Monat kommen. Um also auf konstant hohem Niveau investieren zu können, benötigst du die Bestandsaufnahme der monatlichen Kosten.

Dazu müssen auch die Kosten umgelegt werden, die nur quartalsmäßig, halbjährlich oder nur einmal pro Jahr anfallen. Es reicht daher nicht zu schauen, wie viel du an einzelnen Monaten noch übrig hast. Wie du das geschickt umsetzen kannst, werden wir dir in Kürze zeigen, wenn du möchtest.

FAZIT

Für dich ist erstmal Folgendes wichtig zu wissen:
Eine langfristige dauerhafte Investition ist lohnenswert und macht wirklich wenig Mühen. Investieren solltest du aber nur das Geld, dass du langfristig nicht brauchst und was deine monatlichen Überschüsse dir erlauben. Einen ausreichend großen Notgroschen zu haben, den du NUR im äußersten Notfall anfasst, ist Pflicht! Und du solltest ihn aufbauen, bevor du mit dem Investieren beginnst.

To Do

Es ist für dich also nun als Erstes an der Zeit anzufangen eine Bestandsaufnahme deines Vermögens durchzuführen. Damit kannst du nun direkt beginnen. Suche alle Geldtöpfe heraus und notiere dir, was du wo hast. Also alle Konten, und ggf. Bausparverträge, Genossenschaftsanteile (Bankanteile), Lebensversicherung, Wertpapierdepots, Edelmetalle,  etc. Also alles, was du an Vermögenswerten finden kannst. Aber auch alles, was dir als Verbindlichkeiten am Bein hängt. Das sind Dinge, die dich ausbremsen und die wir näher betrachten müssen. Aber nicht heute. Zunächst einmal alles sammeln und notieren.

Ob du das in digitaler Form oder mit Stift und Papier zusammenträgst bleibt dir überlassen.

So findest du schon mal deinen Istzustand heraus und damit deinen Startpunkt. Hoffen wir mal, dass dieser größer Null ist. Finde also heraus wo genau du jetzt gerade stehst.

Im nächsten Artikel stellen wir dir dann Wege vor, wie du deine monatlichen Kosten ermitteln kannst, um zu wissen, wie viel deines Einkommen monatlich investierpaarbar ist.

Was musst du noch wissen?
Wir sind keine ausgebildeten Anlageberater und möchten hier lediglich das Wissen mit dir teilen, was wir uns über die letzten Jahre angeeignet haben. Wir möchten dir unser Mindset näher bringen und dir Tipps und Tricks mit auf den Weg geben. Außerdem versuchen wir dich nach bestem Wissen und Gewissen vor Fehlern zu warnen und dich beim Vermögensaufbau und deiner Lebensplanung zu unterstützen.
Dir muss aber klar sein, dass das der von uns übermittelte Content keine Vermögensberatung darstellt und eine eigene Recherche und eigene Wissensaneignung ersetzt. Auch wenn wir uns größte Mühe geben, gut recherchiertes und fundiertes Wissen zu vermitteln, ist jeder für sein Tun letztlich selbst verantwortlich.

Dein InvestierPaar

3 Gedanken zu “Der finanzielle (Master)plan: Teil 2 – der Einblick

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