Der finanzielle (Master)plan: Teil 3 – der Weitblick

Auf geht’s in den dritten Teil des Einführungsartikels zu unserer Serie über den Einstieg zum Investieren und dem langfristigen Vermögensaufbau.

  1. Ausblick: Warum solltest du überhaupt Vermögensaufbau betreiben?
  2. Einblick: finanzielle Bestandsaufnahme – Wo stehst du aktuell?
  3. Weitblick: Wie ist deine Lebensplanung?
  4. Detailblick: Wie ist dein jetziger Stand und wie kommst von dort dahin, wo du hin möchtest? Was für Investitionsformen ergeben denn Sinn?

Im ersten Teil des Einführungsartikels ging es um „das Warum“ und die Folgen, wenn man den Beginn des Investierens zu lange aufschiebt (unser größter Fehler).

Im zweiten Teil war die finanzielle Bestandsaufnahme und die Wichtigkeit des Notgroschens Thema. Außerdem haben wir geklärt, dass du nur das investieren solltest, was du auch tatsächlich übrig hast und nicht in Kürze benötigst.

Um das zu klären, sollten wir jetzt einen Blick auf deine Lebensplanung werfen! Wie möchtest du leben, was ist dir wichtig? Was hast du so vor in den nächsten Jahren?

Blicke voraus

Bisher ging es um den Ist-Zustand: Wieviel Geld hast du heute, wieviel Geld bekommst du heute monatlich, wieviel hast du übrig? Und womit verbringst du deine Zeit? Aber so ein Zustand kann sich (schnell) ändern, daher ist es wichtig, dass du dir jetzt Gedanken über deine nahe Zukunft machst. Es muss nicht immer ein Schicksalsschlag oder eine andere Einwirkung von außen sein, die dein Leben auf den Kopf stellt. Das kannst du selbst sicher auch ganz gut. 😉

(Sorry für die nun folgenden Klischees. Sie sollen nur zugespitzte Beispiele sein.)

Du träumst von einer „ganz normalen Familie„? Haus bauen/kaufen, Kinder bekommen und großziehen, Urlaube und großes Auto.

Auf das Thema Geld reduziert bedeutet das für die nächsten Jahre:

  • eine oder mehrere große Ausgaben (Haus, Grundstück, Renovierung)
  • weniger Einkommen (Elternzeit, Teilzeit)
  • höhere regelmäßige Ausgaben (Kinderbetreuung, Urlaub in den Schulferien, Kleidung, Spielzeug,…)

Oder überleg dir, ob du ein Unternehmen gründen möchtest, deinen Traum verwirklichen und dein eigener Chef sein möchtest! Klingt toll?

Auf das Thema Geld reduziert bedeutet das für die nächsten Jahre:

  • eine oder mehrere große Ausgaben (Anfangskosten)
  • weniger Einkommen (noch niedrige Umsätze/Gewinne)
  • höhere regelmäßige Ausgaben (Personalkosten, Lagermiete, Steuern, …)

Vielleicht bist du aber auch gerade dabei dich zu bewerben? Dein Traumjob im Großkonzern oder Beratungsunternehmen, wo du mal so richtig zeigen kannst, was du kannst!

Dann hast du demnächst vermutlich viel mehr Geld zur Verfügung! Aber vielleicht auch mehr Kosten (z.B. für schicke Klamotten und einen Firmenwagen statt dem alten Fahrrad). Oder weniger Zeit und dadurch erhöhte Kosten (Restaurant, Hotel, Reinigungskraft).

Kommen große Ausgaben auf dich zu?

Jetzt stell dir mal vor, du willst ein Haus oder eine Eigentumswohnung kaufen, um darin zu leben. Beim Kauf wirst du eine Menge Geld brauchen. Selbst wenn du die Bude bzw. Hütte zum Großteil über die Bank finanzierst, fallen Erwerbsnebenkosten (wie Maklergebühr, Grunderwerbssteuer, Notar, etc.) an, die meist gleich mal fünfstellig sind. Dieser Betrag wird in aller Regel nicht von der Bank finanziert, sondern muss von dir direkt bezahlt werden. Dazu kommt in den meisten Fällen ein Kostenbatzen an Renovierung und Sanierung. Wenn dein Geld nun an der Börse investiert ist und just in dem Zeitraum kommt ein Kursrückgang (Korrektur oder gar Crash), der dein Wertpapier-Portfolio betrifft, dann bedeutet das, dass deine Wertpapiere gerade an Wert verloren haben. D.h. es ist ein schlechter Zeitpunkt zu verkaufen. Wenn du jetzt aber das Geld brauchst, um den Kauf oder die Renovierung zu bezahlen, ist das halt blöd.

Aus demselben Grund hat auch Dr. Notgroschen an der Börse nix verloren!

Also solltest du dir im Vorfeld Gedanken machen, ob du vorhast eine Immobilie zu kaufen oder du im Mietverhältnis bleibst. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Es gibt für beide Wohnarten gute Gründe.  Welcher Weg für dich der bessere und passende ist, hängt ganz von deinem Lebenskonzept und deinen Plänen ab.

Exkurs

Eigenheimbewohner werden dir fast immer zu einer eigenen Immobilie raten – und sei es nur, um Ihre eigenen Entscheidung nicht selbst reflektieren und ggf. als schlechte Entscheidung erkennen zu müssen. 😉 Das heißt nicht, dass sie eine schlechte Entscheidung gewesen ist. Eine eigene Immobilie kann toll sein und hat viele Vorteile – keine Frage. Sie kann sich durchaus auch rechnen. Aber es gehen auch viele Kosten damit einher, die man sich häufig nicht durchgerechnet hat oder es zum Kaufzeitpunkt nicht konnte.

Beispiel: Kommt ein Gesetz, das eine wärmeenergetische Sanierungsmaßnahme vorschreibt, ist der Eigentümer in der Pflicht, während der Mieter keinen Hassle damit hat.

Und so ist es mit allen anfallenden nennenswerten Reparaturen, sei es Heizung, Elektrik, Wasserrohre oder das Dach.
Außerdem haben sich in den meisten Teilen Deutschlands die Kaufpreise in den letzten Jahren immer weiter von den Mieten entkoppelt. D.h. sie sind viel stärker gestiegen als die Mieten. Die Kaufpreise sind in den meisten Regionen derzeit so hoch, dass es schwer ist Objekte zu finden, die sich noch rechnen. Das war vor wenigen Jahrzehnten noch ganz anders und vielleicht ändert ich das auch langsam wieder mit dem Anstieg der Zinsen. 

Aber nun genug der Abschweifungen in die Welt der Immobilien. Darum soll es hier nicht gehen.

Ich wollte dir nur klar machen, dass eine Kaufentscheidung von solch einer Dimension durchaus Einfluss auf dein Investitionsverhalten hat (und haben muss!). Denn von solchen Zukunftsplänen hängt es ab, wie viel deines Geldes du besser nicht in langfristige Geldanlagen stecken solltest.

Wir selbst haben nicht vor eine Immobilie zur Eigennutzung zu kaufen. Auch haben wir keine Pläne für eine andere Anschaffung mit großer Tragweite. Wir haben aber bereits eine Immobilie zur Vermietung gekauft und sollten wir mal wieder eine Immobilie entdecken, die sich rechnet und sich zu kaufen lohnt, dann wird es eine kleine Bude mit entsprechend niedrigen Kaufnebenkosten sein. Und dafür sollte es reichen unsere Sparpläne für ein paar Monate auszusetzen. Darum können wir es uns erlauben, nahezu all unser Geld langfristig zu investieren. Mit Ausnahme des Notgroschens und der Summe für die monatlichen Ausgaben. Du musst letztlich für dich entscheiden, wie das bei dir ist.

Es sei aber an dieser Stelle nochmals erwähnt, dass dies keine Finanzberatung ist. Wir geben nur unsere Meinung und unsere Sicht auf die Dinge wieder. Deine finanziellen Entscheidungen musst du selbst treffen und dich dabei nicht nur auf unsere Aussagen verlassen. Auch uns können Fehler unterlaufen und darum ersetzen die Inhalte unseres Blogs nicht eine weitere Recherche.

Investierpaar

Es sind aber nicht nur die teuren Güter, die du durch die Brille deiner finanziellen Planung betrachten solltest.

Anstieg der monatlichen Kosten

Kostenanstieg

Sekt oder Selters?
In wieweit du im Laufe der Zeit deinen Wohlstand anhebst, ist allein deine Entscheidung. Wenn dein Lebensstandard steigt (Stichwort: Lifestyleinflation), steigen meist auch deine Ausgaben und laufenden Kosten. Klettern deine Kosten auf dem Vermögensbaum schneller als dein Einkommen, wirst du deine Sparrate (also deine monatlichen Investitionen in eine Geldanlage) reduzieren müssen. Es ist also offensichtlich gut, wenn dein Einkommen schneller steigt, als deine Ausgaben 😉.

Und wie schaut’s mit deiner Familienplanung aus? Nachwuchs in Sicht? Das Gute ist, dass die insgesamt hohen Ausgaben, die ein Nachwuchs mit sich bringt, nicht auf einen Schlag kommen und auch nicht aus heiterem Himmel. Sicher zu Beginn stehen Kosten für einige Anschaffungen an und das kann ggf. auch etwas mehr sein. Aber für die meisten nachfolgenden Kosten reicht es vermutlich deine monatliche Sparprate etwas zu reduzieren oder ein paar Monate auszusetzen.

Doch nicht nur der Familienzuwachs kostet Geld, eine Scheidung tut das auch und ist deutlich unangenehmer ;). Aber sollte sie tatsächlich aus heiterem Himmel kommen, kannst du darüber nachdenken, ob es sich hier um einen Notfall handelt und ob der Anwalt zum Teil aus dem Notgroschen bezahlt werden kann. Natürlich nur für den Fall, dass du die Summe anders absolut nicht zusammenbekommst und deine Aktienkurse voll im Keller sind. Aber eine Scheidung ist eh meist unschön und finanziell lieber zu vermeiden 😉.

Weniger Einkommen

Unverschuldete Gründe, durch die dein Einkommen sinken kann, gibt es natürlich. Es ist daher nicht unwichtig mal darüber nachzudenken, ob bei dir eine Reduktion deines Einkommens anstehen könnte und wie wahrscheinlich diese ist. Das hängt von vielen Faktoren ab (deiner Ausbildung, der Arbeitsmarktlage, deiner Belastbarkeit und Gesundheit, etc.). Aber um diese ungeplanten Ereignisse soll es an dieser Stelle nicht gehen, denn für diese hast du ja Dr. Notgroschen engagiert.

Aber es gibt auch geplante Reduktionen des Einkommens:

Schon mal mit dem Gedanken gespielt die Arbeitszeit zu reduzieren? Es gibt zahlreiche Gründe dafür. Sei es wegen eines Familienzuwachses, dem Wunsch nach mehr Zeit für andere Dinge, wie Weiterbildung, eigene Projekte, dem Arbeiten an der Selbstständigkeit, einem Ehrenamt, der Ausübung eines Hobbys oder einfach weil man es kann?

Wenn du deine Arbeitszeit reduzierst, wird dein Arbeitgeber vermutlich auch nicht bereit sein, dein Gehalt in bisheriger Höhe weiterzubezahlen 😉. D.h. du hast weniger zur Verfügung als bisher.

Für einen langfristigen Plan solltest du darüber nachdenken, denn es ist dann bereits absehbar, dass sich deine Sparrate reduzieren wird. Und das wirkt sich auf deinen Vermögensaufbau aus. Hast du etwa ein bestimmtes finanzielles Ziel, das du erreichen willst, ist das von großer Bedeutung. Etwa einem Startkapital für ein Projekt, dass du in einigen Jahren beginnen möchtest oder dem früheren Eintritt in das Rentenalter.

Unser erstes geplantes Ziel – als Beispiel

Bei uns wurde als erstes das Ziel einer abgesicherten Altersvorsorge auserkoren. Wir wollen uns nicht auf das Rentensystem verlassen. Denn das wäre ziemlich dumm und töricht. Es ist längst klar und angesichts der Demographie in Deutschland absolut logisch, dass die Renten hierzulande bei den allermeisten Menschen unserer Generation nicht ausreichen werden, um ihren Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Wenn sich das System nicht fundamental verändert, wird die Rente deutlich niedriger sein als das monatliche Netto vor dem Renteneintritt. Das hängt mit dem Überschuss an alten Menschen, mit steigender Lebenserwartung und damit längerem Rentenbezug, zusammen. Den vielen „Langzeitrentnern“ stehen deutlich weniger junge Menschen gegenüber, die deren Rente bezahlen sollen. Ergo müssen wir vorsorgen, um im Alter mehr zu haben. Denn es ist nicht zu erwarten, dass die monatlichen Kosten sinken – bedenke Ausgaben für Medikamente, Pflege, etc.

Unser Ziel ist es daher die Altersvorsorge möglichst früh abzuschließen. Also mit dem Eintritt ins Rentenalter genug zu haben, dass aus dem Wertzuwachs die monatlichen Kosten weitgehend gedeckt werden.

Mit der gesetzlichen Rente rechnen wir nicht. Die kommt dann nur als Goodie on top.

Mit Hilfe einer einfachen Zinseszinstabelle, die wir uns in Excel kurz mal zusammengeklickt haben, konnten wir einen Betrag bestimmen, der unter Berücksichtigung des Haben-Zeitpunktes bis zur Rente ausreichend anwächst. Ab diesem Zeitpunkt müssen wir nur noch das verdienen, was wir zum derzeitigen Leben brauchen. Alles was wir dann noch weiter ansparen, ist nur noch ein Zusatzguthaben, mit dem wir uns Träume erfüllen können oder z.B eine Selbständigkeit wagen können – ein vorhandenes Startkapital ist da eine super Sache. Dieses Konzept hat auch einen Namen: „COAST FIRE“. Und wir haben es bereits fast erreicht 😉.

Füße hochlegen

Wenn wir uns entscheiden Nachwuchs in die Welt zu setzten, wollen wir soweit sein und ab dann auch unsere Arbeitszeiten drastisch reduzieren. Wir wollen dann Zeit, um den Kleinen beim Aufwachsen zuzusehen und sich gegenseitig zu entlasten. Denn was wir in unserem Umfeld mitbekommen, sind die ersten Jahre echt anstrengend 😉.

Fazit

Du siehst, Vieles ist möglich und ein Blick in deine Wunsch-Zukunft ist dafür absolut hilfreich. Denk mal drüber nach, was du so vor hast und wieviel deines Vermögens und Einkommens du ggf. langfristig binden kannst. Denn wenn du eine nennenswerte Wertsteigerung erreichen möchtest, führt an der Börse letztlich kaum ein Weg vorbei. – Keine Angst, die Börse ist nichts Böses und auch kein Kasino. Auch wenn die Skepsis gegenüber der Börse in Deutschland, im Vergleich mit den meisten Ländern der Welt, recht groß ist, ist das alles kein Hexenwerk und man braucht auch keine Kristallkugel, um gewinnbringend zu partizipieren. Es gibt mittlerweile tolle Finanzprodukte mit verhältnismäßig geringem Risiko. Denn es gibt mehr und besseres als Einzelaktien, an denen sich hierzulande schon manch einer die Finger verbrannt hat, weil er/sie die Grundprinzipien des Investierens missachtet hat und beispielsweise einen großen Teil seines Geldes in die Telekom-Aktie oder Wirecard gesteckt hat. So etwas sollte man natürlich nicht machen. Welches für uns die Grundprinzipien sind, die es unserer Meinung nach zu beachten gilt, werden wir noch ausführlich erklären.

An dieser Stelle soll es reichen dir klar zu machen, dass die Börse dein bester Freund beim Vermögensaufbau sein kann, wenn du…

  • die Finger von gefährlichen Finanzprodukten lässt und stattdessen verhältnismäßig risikoarme nimmst (welche wir dafür halten erzählen wir dir bald)
  • Und du im Falle eines Falles auch mal ein Jahrzehnt warten kannst, bis du das Geld benötigst, was du investierst. Denn Geld was du in Wertpapiere steckst wird Kursschwankungen unterworfen sein und du solltest es sinnvollerweise daher kurz- bis mittelfristig nicht anderweitig benötigen.

Also mach dir mal ein paar Gedanken. Und wenn du in einer Partnerschaft lebst, besprich diese unbedingt auch mit deiner besseren Hälfte. Und nicht nur du, sondern auch sie sollte sich ebenfalls eine gewisse finanzielle Intelligenz aneignen. Warum wir das für wichtig halten haben wir hier geschrieben.

Bis bald in der Fortsetzung dieser Serie.

Fröhliches in der Zukunft schwelgen.

Dein Investierpaar


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